European Migration

Zuwanderungen nach Deutschland und ihre Auswirkungen
 
 

Marie Beschorner & Laura Bartling


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Deutschland bot in seiner Geschichte vielen Menschen Anlass zur Flucht, viele Menschen reizte es jedoch auch hierher zu kommen. Nach 1949 wurde es in Europa zum wichtigsten Zielland von Zuwanderungen.

Den größten Zuwanderungsstrom erlebte das Gebiet des heutigen Deutschland am Ende des 2. Weltkriegs und in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dabei sollte man allerdings auch die beträchtlichen überseeischen Auswanderungen nicht außer Acht lassen, die noch bis Mitte der 50er Jahre andauerten. Rund 10 Millionen Fremd- und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und ehemalige KZ-Häftlinge wanderten zurück in ihre Herkunftsländer.

Deutschland bot vielen Menschen Anlass, aus rassischen, politischen oder weltanschaulichen Gründen zu fliehen. Auch kritische Künstler und Wissenschaftler sahen sich aufgrund eines Berufsverbotes gezwungen  auszuwandern.

Wollen wir uns aber nun wieder den Zuwanderungen zuwenden: 8 Millionen von 49 Millionen Einwohnern waren 1950 in der BRD Vertriebene (1/6 der damaligen Wohnbevölkerung).

1955 folgte die Gastarbeiterperiode, die jedoch erst nach dem Bau der Berliner Mauer, als der Strom der Übersiedler aus der DDR abriss, ihren Höhepunkt erreichte. Ab da setzte die Anwerbung von Ausländern im vollen Umfang ein. Die Gastarbeiter kamen nach Deutschland, da hier bessere Lohnbedingungen herrschten. Sie verrichteten hauptsächlich schwierige und gefährliche Arbeit. 1973 (Anwerbestop) folgte schließlich nicht die erwartete Rückkehrwelle ins Herkunftsland (es wurde angenommen, dass die Gastarbeiter zurückreisen würden), sondern ein massiver Nachzug von Familienangehörigen. Dies hatte einen enormen Bevölkerungsanstieg zur Folge. Obwohl die Bundesregierungen Maßnahmen zur Verminderung von Zuwanderungen ergriff, stieg die Anzahl der Ausländer in Deutschland deutlich und kontinuierlich an.
Ende der 80er Jahre wurden Aussiedler ein bedeutender Bestandteil der Zuwanderungen nach Deutschland (Massenmigration zwischen Ost- und Westdeutschland). Zur gleichen Zeit stieg auch der Zustrom von Asylbewerbern (Balkan, Türkei) an.



ARBEITSMARKT UND BESCHÄFTIGUNG

1. Ausländer sind überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen
2. Ausländer sind vermehrt auch in qualifizierte Bereiche vorgedrungen (im Gegensatz zu früher).

Arbeitslosigkeit stellt für Ausländer in Deutschland ein großes Problem dar. Seit den 80er Jahren fanden sie nicht mehr in dem Umfang Zugang zum Arbeitsmarkt wie es früher der Fall war (vor dem Anwerbestop 1973 wurden Gastarbeiter überall gesucht und gerne angestellt). Außerdem erhöhte sich die Bevölkerungszahl der in Deutschland lebenden Ausländer stark, die Beschäftigungen gingen jedoch zurück.

1996 erreichte die Arbeitslosenquote der Ausländer ihr Hoch (Arbeitslosenquote bei 18,9 %, bei Personen türkischer Herkunft sogar 22,5 %)


BERUFLICHE STELLUNG

Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen den beruflichen Stellungen  der ausländischen Beschäftigten und der deutschen.:

Die Mehrzahl der ausländischen Arbeiter sind nur als un- oder angelernte Arbeiter tätig (Leider wird in Deutschland ein Unterschied zwischen ausländischen und einheimischen Arbeitern gemacht und die Beschäftigungen unterscheiden sich somit erheblich voneinander.

Die 2. Generation der ausländischen Arbeiter hat es immerhin geschafft, Meisterpositionen oder andere gehobene Bereiche zu erreichen (etwa ein Drittel) -> gehobene und mittlere Angestellten-positionen (26 %).


SOZIALE  INTEGRATION

Etwa die Hälfte der Ausländer beherrscht die Deutsche Sprache recht gut (ausländische Männer meist besser als ausländische Frauen). Die zweite Generation (also die „Ausländer“, die hier geboren sind) hingegen hat kaum Probleme mit der Sprache.

Gute Sprachkenntnisse bedeuten besseren Kontakt zwischen Ausländern und Einheimischen, das sollte man zumindest annehmen. Leider ist das jedoch nicht der Fall. Die Distanz zwischen zwei Kulturen ist ziemlich groß. Für 58 % aller Ausländer sind unter den drei wichtigsten Bezugspersonen keine Deutschen. Bei der 2. Generation sind solche Kontakte jedoch besser zu erkennen. Leider ist jedoch auch hier von 1992 – 1994 ein deutlicher Rückgang beobachtet worden:
 
 
1992 2/3 aller in Deutschland aufgewachsenen Ausländer hatten  mindestens eine(n) deutsche(n) Freund(in). => 67 % 
1994 der Anteil sank auf 59 %

Bei türkischen Kindern und Jugendlichen ist diese Distanz besonders groß.

Weiterhin ist der Identifikationsgrad von Ausländern, die sich für einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland entschieden haben, mit Deutschen sehr gering. Dies könnte folgende Gründe haben:

- Reaktion auf erlebte Ausgrenzung
- Ausdruck eines gewachsenen ethnischen Selbstbewusstseins

Folgende Faktoren spielen für das zukünftige Wachstum der ausländischen Bevölkerung eine Rolle:

- Wanderungssalden
- Geburtensaldo
- Zahl der Einbürgerungen

Verschiedene Zukunftsszenarien sind möglich :

- Eine Art des Szenario ist am wahrscheinlichsten. Sie geht von einem durchschnittlichen Wanderungssaldo der Ausländer von + 190.000 Personen (pro Jahr) aus.
- Ein anderes Szenario geht von einem Saldo von + 300.000 Personen jährlich aus.
- Ein weiteres Szenario geht von einem Saldo von + 80.000 Personen pro Jahr aus.

In allen Szenarien wächst die ausländische Bevölkerung auch aufgrund des Geburtenüberschusses der Ausländer. Folgende Entwicklung ist zu erwarten:
- bis 2030  wird der Geburtenüberschuss voraussichtlich verschwinden (ausländische Bevölkerung altert).
- Zahl der Sterbefälle steigt.
- Altersstruktur und Kinderzahl der Ausländer nähern sich den Werten der Deutschen an.
- Dies meisten Ausländer wandern in große deutsche Städte, ein bundesweiter Ausländeranteil von 18 bis 20 % bedeutet daher: 50 % Ausländeranteil in einigen Großstädten (z.B. Hamburg, München,...).

Quelle:
Rainer Münz , "Demographische Analysen zur Zuwanderung". In:Migration Law News, 1/98
(http://migration.uni-konstanz.de/milan/1_98.html)



Marie Beschorner & Laura Bartling
Herford, Dezember 1999
a:\mblbzu.htm

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