| European Migration |
Zuwanderungen nach Deutschland
und ihre Auswirkungen
Marie Beschorner & Laura Bartling
Den größten Zuwanderungsstrom erlebte das Gebiet des heutigen Deutschland am Ende des 2. Weltkriegs und in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dabei sollte man allerdings auch die beträchtlichen überseeischen Auswanderungen nicht außer Acht lassen, die noch bis Mitte der 50er Jahre andauerten. Rund 10 Millionen Fremd- und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und ehemalige KZ-Häftlinge wanderten zurück in ihre Herkunftsländer.
Deutschland bot vielen Menschen Anlass, aus rassischen, politischen oder weltanschaulichen Gründen zu fliehen. Auch kritische Künstler und Wissenschaftler sahen sich aufgrund eines Berufsverbotes gezwungen auszuwandern.
Wollen wir uns aber nun wieder den Zuwanderungen zuwenden: 8 Millionen von 49 Millionen Einwohnern waren 1950 in der BRD Vertriebene (1/6 der damaligen Wohnbevölkerung).
1955 folgte die Gastarbeiterperiode, die jedoch erst nach dem Bau der
Berliner Mauer, als der Strom der Übersiedler aus der DDR abriss,
ihren Höhepunkt erreichte. Ab da setzte die Anwerbung von Ausländern
im vollen Umfang ein. Die Gastarbeiter kamen nach Deutschland, da hier
bessere Lohnbedingungen herrschten. Sie verrichteten hauptsächlich
schwierige und gefährliche Arbeit. 1973 (Anwerbestop) folgte schließlich
nicht die erwartete Rückkehrwelle ins Herkunftsland (es wurde angenommen,
dass die Gastarbeiter zurückreisen würden), sondern ein massiver
Nachzug von Familienangehörigen. Dies hatte einen enormen Bevölkerungsanstieg
zur Folge. Obwohl die Bundesregierungen Maßnahmen zur Verminderung
von Zuwanderungen ergriff, stieg die Anzahl der Ausländer in Deutschland
deutlich und kontinuierlich an.
Ende der 80er Jahre wurden Aussiedler ein bedeutender Bestandteil der
Zuwanderungen nach Deutschland (Massenmigration zwischen Ost- und Westdeutschland).
Zur gleichen Zeit stieg auch der Zustrom von Asylbewerbern (Balkan, Türkei)
an.
1. Ausländer sind überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen
2. Ausländer sind vermehrt auch in qualifizierte Bereiche vorgedrungen
(im Gegensatz zu früher).
Arbeitslosigkeit stellt für Ausländer in Deutschland ein großes Problem dar. Seit den 80er Jahren fanden sie nicht mehr in dem Umfang Zugang zum Arbeitsmarkt wie es früher der Fall war (vor dem Anwerbestop 1973 wurden Gastarbeiter überall gesucht und gerne angestellt). Außerdem erhöhte sich die Bevölkerungszahl der in Deutschland lebenden Ausländer stark, die Beschäftigungen gingen jedoch zurück.
1996 erreichte die Arbeitslosenquote der Ausländer ihr Hoch (Arbeitslosenquote
bei 18,9 %, bei Personen türkischer Herkunft sogar 22,5 %)
Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen den beruflichen Stellungen der ausländischen Beschäftigten und der deutschen.:
Die Mehrzahl der ausländischen Arbeiter sind nur als un- oder angelernte Arbeiter tätig (Leider wird in Deutschland ein Unterschied zwischen ausländischen und einheimischen Arbeitern gemacht und die Beschäftigungen unterscheiden sich somit erheblich voneinander.
Die 2. Generation der ausländischen Arbeiter hat es immerhin geschafft,
Meisterpositionen oder andere gehobene Bereiche zu erreichen (etwa ein
Drittel) -> gehobene und mittlere Angestellten-positionen (26 %).
Etwa die Hälfte der Ausländer beherrscht die Deutsche Sprache recht gut (ausländische Männer meist besser als ausländische Frauen). Die zweite Generation (also die „Ausländer“, die hier geboren sind) hingegen hat kaum Probleme mit der Sprache.
Gute Sprachkenntnisse bedeuten besseren Kontakt zwischen Ausländern
und Einheimischen, das sollte man zumindest annehmen. Leider ist das jedoch
nicht der Fall. Die Distanz zwischen zwei Kulturen ist ziemlich groß.
Für 58 % aller Ausländer sind unter den drei wichtigsten Bezugspersonen
keine Deutschen. Bei der 2. Generation sind solche Kontakte jedoch besser
zu erkennen. Leider ist jedoch auch hier von 1992 – 1994 ein deutlicher
Rückgang beobachtet worden:
| 1992 | 2/3 aller in Deutschland aufgewachsenen Ausländer hatten mindestens eine(n) deutsche(n) Freund(in). => 67 % |
| 1994 | der Anteil sank auf 59 % |
Bei türkischen Kindern und Jugendlichen ist diese Distanz besonders groß.
Weiterhin ist der Identifikationsgrad von Ausländern, die sich für einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland entschieden haben, mit Deutschen sehr gering. Dies könnte folgende Gründe haben:
- Reaktion auf erlebte Ausgrenzung
- Ausdruck eines gewachsenen ethnischen Selbstbewusstseins
Folgende Faktoren spielen für das zukünftige Wachstum der ausländischen Bevölkerung eine Rolle:
- Wanderungssalden
- Geburtensaldo
- Zahl der Einbürgerungen
Verschiedene Zukunftsszenarien sind möglich :
- Eine Art des Szenario ist am wahrscheinlichsten. Sie geht von einem
durchschnittlichen Wanderungssaldo der Ausländer von + 190.000 Personen
(pro Jahr) aus.
- Ein anderes Szenario geht von einem Saldo von + 300.000 Personen
jährlich aus.
- Ein weiteres Szenario geht von einem Saldo von + 80.000 Personen
pro Jahr aus.
In allen Szenarien wächst die ausländische Bevölkerung
auch aufgrund des Geburtenüberschusses der Ausländer. Folgende
Entwicklung ist zu erwarten:
- bis 2030 wird der Geburtenüberschuss voraussichtlich verschwinden
(ausländische Bevölkerung altert).
- Zahl der Sterbefälle steigt.
- Altersstruktur und Kinderzahl der Ausländer nähern sich
den Werten der Deutschen an.
- Dies meisten Ausländer wandern in große deutsche Städte,
ein bundesweiter Ausländeranteil von 18 bis 20 % bedeutet daher: 50
% Ausländeranteil in einigen Großstädten (z.B. Hamburg,
München,...).
Quelle:
Rainer Münz , "Demographische Analysen zur Zuwanderung". In:Migration
Law News, 1/98
(http://migration.uni-konstanz.de/milan/1_98.html)