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Besuch der jüdischen Synagoge in Herford am 10.01.2000

Lena Schroeder


Der stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Herr Rothe, hat uns einen Einblick in die jüdische Religion gegeben und uns ein paar wesentliche Elemente erklärt. Herr Rothe hat zehn Jahre in den Niederlanden gewohnt (bis 1947). Ein Jahr verbrachte er im KZ in Theresienstadt bzw. in Bergen-Belsen. Seine Schwester und er haben diese Zeit „sehr gut“ überlebt. Ursprünglich stammt er aus Herford und ist von Beruf Kaufmann.Herr Rothe hat nicht viele Erinnerungen an seine Zeit im KZ. Mit sechs Jahren kam er hin und mit sieben Jahren zurück. Sie sind in die Niederlande geflohen und verraten worden. Drei-Stock-Betten, Stacheldraht und Rübensuppe wurden zum Alltag. Mit zehn Jahren ist er nach Herford gekommen. Er hat nie etwas Negatives erlebt, außer mit den Müttern seiner Freundinnen hatte er keine Probleme. Heute ist er 30 Jahre glücklich mit einer Katholikin verheiratet.

Zur Synagoge. An den Türpfosten sind kleine Hülsen, die Mesusa genannt werden, angebracht. Der Inhalt ist vergleichbar mit dem Vaterunser. Es dient dazu, die Menschen daran zu erinnern, dass sie an Gott denken sollen. Außerdem ist es ein mahnendes Zeichen: heilige dein Haus! Eine Synagoge ist keine Kirche, sondern ein Haus der Zusammenkunft. Die Synagoge ist ein Haus Gottes, aber kein Gotteshaus, da Gott nicht an einen Ort gebunden werden kann.

Der Gebetsmantel namens Talit ist ein Zeichen für: höre auf Gott! Der Talit ist ein heiliges Kleidungsstück, dass während der Gebetsstunde getragen wird. Im 4. Buch Mose steht ein Gebot zum Tragen des Talits.Männer dürfen die Synagoge nicht ohne Kopfbedeckung betreten. Es ist ein Symbol der Gottesfurcht, man soll nicht mit unbedecktem Haupt vor Gott erscheinen.

Die Minora ist ein siebenarmiger Leuchter und das Wahrzeichen Israels. Eine ewige Lampe, die immer leuchtet. Für das Hannucka-Fest gibt es noch einen achtarmigen Leuchter. Jeden Tag wird ein weiteres Licht angezündet.

Die Tora sind die fünf Bücher Mose, die von Hand auf Pergament geschrieben sind. Die Blätter sind mit Fäden aus tierischen Sehnen zusammengenäht. Die Tinte ist schwarz und dauerhaft, die Rezeptur ist geheim. Geschrieben wird mit Gänse oder Truthahnfedern, und zwar auf Hebräisch, also von rechts nach links. Die Reihen sind gleichmäßig und fehlerfrei. Mehrere Personen überprüfen dies. Es dauert ein Jahr die Tora ab- bzw. neuzuschreiben. Sie ist an Holzstäben aufgerollt. Die Tora ist ein wertvoller und geheiligter Besitz, deswegen wird sie in eine Hülle eingeschlagen und mit einer Krone und einem Schild verziert.

Mit dem Kinuschbecher wird ein Segensspruch auf Wein und Brot gegeben. Der Gewürzbecher wird am Sabbat benutzt. Die Freude soll durch wohlriechende Gewürze unterstützt werden.



Lena Schroeder, 11. Jan. 2000
Herford, Wilhelm-Normann-Berufskolleg, AHR 98
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