European Migration Herford

Phasen und Formen der europäischen Migration
Lena Schroeder


Geographische Mobilität ist ein wesentliches Merkmal offener Gesellschaften. Nur totalitäre Regime hindern ihre Bürger daran ins Ausland zu reisen oder auszuwandern bzw. zwingen sie in bestimmten Gegenden zu wohnen. Demokratische Gesellschaften garantieren dagegen das Recht ihrer Bürger auf freie Wahl des Wohnortes und das Recht auf Auswanderung.
 

I. Die europäischen Wanderungen bis zum 2. Weltkrieg

Das 19 und das frühe 20. Jahrhundert waren in Europa eine Epoche großer Auswanderungen. Zwischen 1815 und 1930 emigrierten mehr als 50 Mio. Europäer aus ökonomischen und politischen Gründen nach Übersee. Von ihnen fanden etwa 38 Mio. Menschen eine neue Heimat in den USA. Polnische und ukrainische Arbeiter ließen sich in den neu entstandenen Zentren der Kohle-, Stahl- und Eisenindustrie Westeuropas nieder (Zielgebiete: Lothringen, das Ruhrgebiet, Oberschlesien und die englischen Midlands ). Antisemitismus und Pogrome zwangen mehr als 200 000 europäische Juden aus der Ukraine, Galizien und aus dem Baltikum, vor allem nach Berlin, Prag, Paris und Wien auszuwandern. In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg waren 6 Mio. Menschen von Zwangsumsiedlung, ethnischen „Säuberungen“ oder Repatriierung als Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen, Pogromen und Grenzveränderungen betroffen. Unter ihnen befanden sich, als ein Beispiel, Griechen, die aus Istanbul und der Westtürkei vertrieben und in Griechenland angesiedelt wurden. Die größte Auswanderungswelle dieser Zeit wurde durch die russische Oktoberrevolution ausgelöst. Zwischen 1917 und 1922 verließen etwa 1,5 Mio. Russen, Ukrainer und Weißrussen die entstehende Sowjetunion. Das Naziregime setzte eine weitere politische Massenmigration in Gang. Rund 450 000 Juden und einer größeren Zahl politisch Verfolgter gelang es, aus dem nationalsozialistischen Deutschland und dem 1938 angeschlossenen Österreich zu emigrieren. Daneben gab es in der Zwischenkriegszeit und während des 2. Weltkrieges eine umfangreiche Arbeitsmigration. Für 1,2 Mio. Arbeitsmigranten aus Polen war Frankreich das Hauptzielland. Später (40er Jahre) wurde das nationalsozialistische Deutschland zum Hauptzielland. 1944 erreichte die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte 8 Mio.

II. Phasen und Typen der europäischen Massenwanderungen nach dem 2. Weltkrieg

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren verschiedene Formen transnationaler Massenmigration von Bedeutung, von denen einige auch das gegenwärtige Wanderungsgeschehen bestimmen.

Vertreibungen und Repatriierungen als Folge des 2. Weltkrieges

Wichtigste Wanderungsbewegungen nach Ende des 2. Weltkrieges waren die Vertreibungen von Deutschen aus Osteuropa und die Heimkehr von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. Von 1945 bis 1949 flohen rund 12 Mio. Ost- und Volksdeutsche aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie aus Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien oder wurden dort vertrieben (2 Mio. Menschen verloren dabei ihr Leben). Zwischen 1945 und 1949 wurden nahezu 8 Mio. Ostflüchtlinge und Vertriebene in Westdeutschland angesiedelt und zwar fast ausschließlich in der amerikanischen und britischen Besatzungszone. 3,6 Mio. Vertriebene kamen in den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands, die spätere DDR, 530 000 ließen sich auf Dauer in Österreich nieder. 10,5 Mio. Vertriebene (alliierte Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Überlebende der KZs), die sich 1945 in Deutschland und Österreich aufhielten, kehrten in ihre Heimat zurück. Nach Gründung der BRD und der DDR setzte bis 1961 eine Massenübersiedelung von Ost- nach Westdeutschland ein.

Insgesamt überquerten etwa 3,5 Mio. Menschen die innerdeutsche Grenze, die zum Symbol der Spaltung Deutschlands wurde. Die Fertigstellung der Mauer im August 1961 beendete die Massenwanderungen. Die Grenz- und Bevölkerungsverschiebungen, die auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam bestimmt wurden, waren von großer Bedeutung. Zum Beispiel mußten 1,2 Mio. Polen ihre Siedlungsgebiete im ehemaligen Ostpolen verlassen und in den Süden Ostpreußens, nach Westpreußen und Schlesien übersiedeln.

Entkolonialisierung

Durch den Prozeß der Entkolonialisierung  entstand in den 50er und 60er Jahren ein neuer Typus von Massenmigration. Er betraf die Staaten Süd- und Westeuropas, die fast alle Kolonien in Übersee besessen hatten. Eine kleine Zahl von weißen Siedlern, Beamten und Soldaten kehrten aus den unabhängig gewordenen Ländern in die Mütterländer zurück. So hatte der Friedensschluß von Evian zwischen Frankreich und algerischen nationalen Befreiungsfront 1963 die Umsiedlung von über 1 Mio. Menschen zur Folge. Die Entkolonialisierung betraf sämtliche Weltregionen. In den 50er und 60er Jahren, zum Beispiel, siedelten Indonesier, in den 70er Jahren Surinamer und Bewohner der Niederländischen Antillen in die Niederlande über.

Postkoloniale Migration

Eine weitere Form von Massenmigration entwickelte sich seit den späten 50er Jahren, als einheimische Bewohner ehemaliger Kolonialgebiete in Süd- und Südostasien, Afrika und er Karibik begannen, nach England, Frankreich und in die Benelux-Länder (später auch Italien, Portugal, Spanien) zu wandern. Auslöser waren die sich verschlechternden Lebensbedingungen sowie politische und ethnische Konflikte in etlichen neu gegründeten Staaten der dritten Welt. In Europa wurden zu der Zeit billige Arbeitskräfte gesucht. Die postkolonialen Wanderungen wurden möglich, weil die Mutterländer den Bewohnern ihrer Überseegebiete anfangs die Staatsbürgerschaft zuerkannten oder sie zumindest bevorzugt einwandern ließen. Die West- und Mitteleuropäischen Großstädte verwandelten sich durch diesen Migrationstypus in multikulturelle Inseln. Die Anwesenheit solcher ethnischer Gruppen und die von ihnen aufgebauten ökonomischen und kulturellen Netzwerke erklären auch, warum die Zuwanderung aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien und aus Asien, Afrika und der Karibik trotz zunehmender Arbeitslosigkeit, dem Anwerbestop und der verschärften Anti- Imigrationspolitik in Europa nie völlig zum Stillstand kam.
 

Nach der Integration von Flüchtlingen, Vertriebenen und Kolonialheimkehrern begannen die stärker industrialisierten Länder Westeuropas schon Mitte der 50er Jahre, ihren zusätzlichen Bedarf an wenig qualifizierten Arbeitskräften durch Anwerbung in den wirtschaftlich schwächer entwickelten Staaten des Mittelmeerraumes zu decken. Die ersten Immigranten kamen aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. Später auch aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien. Der Ölpreisschock im Jahre 1973 führte zum Anwerbestop und zu Zuzugsbegrenzungen. In der zweiten Hälfte der 70er Jahre verursachten die Einwanderungsbeschränkungen in einigen Ländern (allen voran die Schweiz) eine Verringerung der ausländischen Bevölkerung. Der Einzug von Vertretern fremdenfeindlicher Parteien ins Berner Parlament und mehrere von ihnen organisierte Volksabstimmungen führten zu einer Wende in der Schweizer Zuwanderungspolitik. Schweden, Deutschland und Österreich griffen in der Folgezeit zu vergleichbaren Maßnahmen. Trotz des Nachdrucks, mit dem ausländische Arbeitskräfte in vielen ehemaligen Anwerbeländern zur Rückkehr aufgefordert wurden, führten die neuen Beschränkungen allenfalls zu einer Verlangsamung, nicht aber zu einer Beendigung der Einwanderung. Durch Familiennachzug im Zielland wuchs nun der Anteil von Frauen, Kindern und Jugendlichen. Der Anwerbestop bremste die Rückwanderung in die Herkunftsländer, da feststand, daß Rückwanderer aus ihrer Heimat später nicht wieder nach Westeuropa  zurückkehren konnten.

Diese Internationalisierung der europäischen Arbeitsmärkte hat weit über 30 Mio. Menschen zumindest zeitweise nach Westeuropa oder aus peripheren Regionen Westeuropas, wie Irland, Portugal, Süditalien, in die industriellen Zentren und Großstädte gebracht. Derzeit leben rund 19 Mio. Menschen als Ausländer in Westeuropa, zum größten Teil am unteren Ende der sozialen und beruflichen Hirachien. Sie bleiben vom Wahlrecht und von anderen Bürgerrechten ausgeschlossen und können auch keine politisch einflußreichen Interessenvertretungen oder Lobbies bilden, erhalten weder die im Inland geborenen Kinder von Zuwanderern noch die Enkel automatisch die Staatsbürgerschaft dieser Länder. In Europa führte die Öffnung der Grenzen zwischen Ost und West zu einer wachsenden Zahl irregulärer Migranten. Möglicherweise gibt es mehr als 2 Mio. irreguläre Migranten in West- und Südeuropa. Dadurch entstanden neue Typen von Saisonarbeit und Pendelwanderungen über große Entfernungen, da die meisten nur für wenige Wochen oder Monate blieben. Neben Nord- und Westeuropa haben seit den 80er Jahren auch die Südeuropäischen Länder eine positive Migrationsbilanz. Seit Ende der 70er Jahre veranlaßte der wirtschaftliche Aufschwung und die Demokratisierung viele Grieche, Portugiesen und Spanier zur Rückkehr in ihre Heimat.

Migration von Eliten und Privilegierten

Eine kaum beachtete und unterschätzte Form der Wanderung ist jene von Eliten. Hier handelt es sich um die Wanderungen von Technikern und Managern internationaler Konzerne, Wissenschaftlern, Diplomaten, Journalisten, Bediensteten internationaler Organisationen und Künstlern. Sie wurden nie zum Ziel von Fremdenfeindlichkeit und Gewaltakten und gelten im Vergleich zu weniger qualifizierten Arbeitsmigranten als unproblematisch. Zur Elitenwanderung gehört nicht zuletzt beruflich hochqualifizierter Personen aus wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern (Osteuropa, ehemalige Sowjetunion).Andere kritische Stimmen argumentieren, die Abwanderung der Eliten behindere die wirtschaftlichen und politischen Reformen nach dem Ende der kommunistischen Regime. Beachtung fand auch die Auswanderung wohlhabender Rentner vor allem aus Großbritannien und Deutschland, die sich in großer Zahl im südlichen Portugal, an der spanischen und französischen Mittelmeerküste sowie am Südrand der Alpen in Italien, Österreich und der Schweiz niederließen. Die Eliten lösten bei den Einheimischen Angst vor dem „Ausverkauf der Heimat“ aus.

Ethnische und politische Flüchtlinge

Zwischen Mitte der 80er Jahre und 1992 nahm in fast allen europäischen Staaten die Zuwanderung von Asylbewerbern erheblich zu. Durch die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, sollten die aufgrund ihrer Rasse, Religion oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe bedrohte oder verfolgte Menschen geschützt werden. Während der Ost- Westkonfrontation wurden mehrere Flüchtlingswellen durch innenpolitische Krisen ausgelöst: 1956 verließen rund 194 000 Ungarn ihre Heimat. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968/1969 verließen rund 170 000 Tschechen und Slowaken ihre Heimat in Richtung Westeuropa. 1980/1981 flohen 250 000 Polen vor dem Kriegsrecht und politischer Unterdrückung. Sie wurden allerdings von der westlichen Öffentlichkeit nicht mehr uneingeschränkt als politische Flüchtlinge eingestuft. Die Aufnahmebereitschaft hielt sich in Grenzen. Österreich konnte aus diesem Grund die Visumspflicht  wieder einführen und Deutschland diese aufrechterhalten. 1989/1990 verließen 400 000 Bulgaren türkischer Abstammung angesichts alltäglicher Unfreiheit, Zwangsbulgarisierung und der ökonomischen Not ihr Land. Die Türkei war nicht bereit alle Flüchtlinge aufzunehmen. Bis heute kehrten 150 000 von ihnen nach Bulgarien zurück. Mindestens ebenso dramatisch war die Flucht von etlichen tausend DDR – Bürgern in die westdeutschen Botschaften in Prag, Warschau und Budapest sowie über die „Grüne Grenze“ von Ungarn nach Österreich. Rund 45 000 DDR – Bürger überschritten zwischen Juli und Oktober 1989 die österreichisch-ungarische Grenze. Weitere 340 000 DDR – Bürger gelangten 1989 auf anderen Wegen in die (alte) Bundesrepublik Deutschland. Diese Massenwanderung beschleunigte letztlich den Zusammenbruch der DDR.

Die größte Flüchtlingswelle in Europa seit dem Ende des zweiten Weltkrieges entstand nach dem Zerfall Jugoslawiens und den Kriegen in Kroatien und in Bosnien-Herzegowina. 5 Mio. Menschen sind seither aus ihren Heimatorten geflüchtet, 1 Mio. nach Westeuropa, 700 000 von ihnen wurden entweder als politische Flüchtlinge anerkannt oder zumindest übergangsweise aufgenommen. Seit Ende 1995 sind nur etwa 200 000 dieser Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehrt. Wie stark die Fluchtbewegungen nach Europa zugenommen haben, zeigen die folgenden Zahlen: 1983 stellten lediglich 65 000 Personen in Westeuropa einen Antrag auf Asyl. 1986 hatte sich die Zahl auf  195 000 verdreifacht. 1992 beantragte eine Rekordzahl von 693 000 Personen politisches Asyl, zwei Drittel davon in Deutschland. Seit 1992 hat sich die Situation aufgrund von Einschränkungen des Asylrechts in Österreich, Deutschland und Schweden und restriktiverer Bestimmungen in vielen anderen Ländern Europas geändert. Die Zahl der Anträge auf politisches Asyl in Europa sank im Jahr 1996 auf 287 000. In den Aufnahmeländern veränderten sich mit wachsendem Zustrom die Beurteilungskriterien. 1984 wurden in der BRD 80% aller Asylbewerber aus Äthiopien als Flüchtlinge anerkannt. 1990 waren es nicht einmal mehr 10%, obwohl sich die Kriegssituation in diesem Land gegenüber 1984 kaum verändert hatte. Gleiches galt für die Opfer des Krieges in Bosnien.

III. Schlußbemerkung

Im Rückblick zeigt sich, daß das Migrationsgeschehen in Europa seit den 50er Jahren hauptsächlich zwischen den Staaten unseren Kontinents stattfindet. Heute sind 19 von 383 Mio. Einwohnern Westeuropas nicht Staatsangehörige ihres jeweiligen Aufenthaltslandes. Trotz vielfältiger eigener historischer Erfahrungen mit Massenmigration halten die meisten Europäer lebenslange Seßhaftigkeit, für den Normalfall, Zu- und Abwanderung hingegen für die Ausnahme. Daher schwankt die öffentliche und veröffentlichte Meinung zwischen dem Wunsch nach humanitären Lösungen in Einzelfällen und dem Ruf nach mehr Härte gegenüber potentiellen Immigranten. Wo einst der Eiserne Vorhang den Westen vor unerwünschter Zuwanderung bewahrte und der Westen sich gleichzeitig über Stacheldraht, Schießbefehl und Tretminen empörte, stehen heute finnische Grenztruppen, die schwedische Küstenwache, der bundesdeutsche Grenzschutz und das österreichische Bundesheer. Über die unmittelbaren Konsequenzen dieses Grenzschutzes wird wenig geredet. Aber zweifellos fordert er derzeit Jahr für Jahr an Europas Küsten und in Grenzflüssen mehr Todesopfer unter den unerwünschten Migranten als seinerzeit der Schießbefehl an der Mauer und an anderen Teilen der einstigen Ost- Westgrenze Europas. Die Stationierung von Truppen an unseren Grenzen kann nicht die einzige Antwort auf den Migrationsdruck sein. Denn an den zentralen Wanderungsursachen der letzten Jahre wird sich auf absehbare Zeit kaum etwas ändern. Dazu gehören insbesondere das beträchtliche Gefälle des Lebensniveaus und der Lebenschancen zwischen Westeuropa und seinen Nachbarregionen. Bloße Abschottung ist daher kein Ersatz für Migrationspolitik. Und sie beseitigt keine der Ursachen, die Menschen heute zum Verlassen ihrer Heimat zwingen.
 

Über den Status der Türken in Deutschland
 

Wann werden alte zu neuen Minderheiten?

Bei einer Analyse der Migrationsgeschichte kann man ohne weiteres feststellen, daß sich die Bundesrepublik Deutschland zu einer bikulturellen Gesellschaft entwickelt. Die Türken bilden mit 2 110 000 Personen die größte Ausländergruppe. Die Einbürgerungsquote beträgt 10% und das bedeutet, daß jeder zehnte türkischstämmige Einwohner in Deutschland einen deutschen Paß hat. Durch das Inkrafttreten des neuen Staatsangehörigkeitsgesetzes am 1.1.2000, kann man davon ausgehen, daß innerhalb von zehn Jahren mehr als 1 Mio. Türken den deutschen Paß erworben haben werden. Der überwiegende Teil der zweiten und dritten Generation, die in Deutschland geboren ist, betrachtet dieses Land als Heimatland, obwohl eine hohe emotionale Bindung an die Türkei besteht. Trotzdem werden die Türken gesellschaftlich und juristisch eher als Ausländer wahrgenommen und behandelt.

Positive Entwicklung

Eine Befragung unter eingebürgerten Türken in Deutschland ergab, daß die meisten eine etablierte deutsche Partei wählen wollen (80% die SPD). Immer mehr Türken oder türkischstämmige Deutsche zeigen der deutschen Politik und den deutschen Parteien gegenüber Interesse. Auch die Einstellung der gegenwärtigen Regierung in Bezug auf eine EU-Mitgliedschaft der Türkei sorgen dafür, daß die Türken sich immer mehr mit Deutschland identifizieren. Die aktuelle Zahl von 51 000 Türken, die sich in Deutschland selbständig gemacht, 11,1 Mrd. DM investiert und 260 000 Arbeitsplätze geschaffen haben, belegt eindeutig, daß sich die türkischen Migranten in Deutschland auch volkswirtschaftlich wohl und sicher fühlen. Diese positiven Entwicklungen können nur dann in Gefahr geraten, wenn es Spannungen in den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei gibt.

Stimmungsaufschwung

Seit September 1998 kann man auch bei den türkischen Medien eine positive Entwicklung feststellen. Die Zufriedenheit mit der gegenwärtigen Regierung sowohl bei den türkischen Medien als auch bei der Bevölkerung nimmt zu. Diese positiven Tendenzen sorgen dafür, daß die Türken sich nicht zu einer Minderheit innerhalb der deutschen Gesellschaft entwickeln werden, sondern sie werden sich immer mehr mit der Industriegesellschaft , mit Deutschland und der EU identifizieren. Je mehr Türken sich hier akzeptiert fühlen, desto größer wird ihre Identifizierung mit ihrem neuen Staat werden. Wichtig ist, daß die Arbeitslosigkeit von 25% unter den Türken und die teilweise Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt oder auch bei der Wohnungssuche abnehmen muß, denn die Türken mit deutscher Staatsangehörigkeit sind ein wichtiges Bindeglied zwischen der Türkei und Deutschland.


Lena Schroeder, 11. Jan. 2000
Herford, Wilhelm-Normann-Berufskolleg, AHR 98

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Minderheiten in Herford