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Minderheiten in der Herforder Gesellschaft vom Mittelalter bis heute

Minderheiten innerhalb der Deutschen und auch der Herforder Gesellschaft sind Menschen, die hier seit langer Zeit, teilweise seit Jahrhunderten leben und lebten und trotzdem Opfer von Verfolgung, Kontrolle, Überwachung und Vorurteilen sind und waren.

Dies sind in Herford vor allem die Juden, die Zigeuner (Roma), in früherer Zeit religiöse Gruppen wie die Quäker und Labdisten und in heutiger Zeit Angehörige der Religionsgemeinschaft "Zeugen Jehovas". Dazu muß auch vor allem in früherer zeit die Gruppe der rechtlosen Bürger, der Armen und Kriminellen gezählt werden. Sie alle wuren, obwohl sie in der Gesellschaft lebten, vorurteilsbeladen als Fremde bezeichnet und behandelt.

Insbesondere die Juden, die seit römischen zeit in Deutschland leben wurden - begründet aus religiösen Konflikten - verfolgt und immer wieder ermordet. Im Mittelalter wurden sie für die Pest-Krankheit verantwortlich gemacht, ermordet oder aus den Städten vertrieben. Sie lebten bis weit in das 19. Jh ohne oder nur mit geringen Bürgerrechten. Diese mühsam gewonnenen Rechte und gesellschaftlichen Anerkennungen verloren sie wiederum - diesmal mit rassistischer Begründung - im nationalsozialistischen Deutschland. Sie wurden nach einer Phase der innergesellschaftlichen Ausgrenzung vertrieben oder in den Konzentrationslagern ermordet. Ähnliche Ziele verfolgte das NS-System bei religiösen Gruppen wie den Zeugen Jehovas und Volksgruppen wie den Zigeunern (Roma).

Historische Materialien (Auswahl)

Quellen:

Juden

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig.Urk. 21
1353 Verhandlungen über den besitz der wegen der Pest ermordeten Juden

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. A X 55
1750 Reglementierungen für Juden in Preußen

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. A X 60
1777 (und folgende Jahre) Judenlosten für Herford

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. I 719
1938 Veränderung von jüdischen Vornamen

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. III 185
1938 Auswanderungserlaubnisse

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. V 375
1938 Verwendung der früheren Synagoge

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. 23/199
1941 Listen von Transporten in KZs und Verwertung jüdischen Privateigentums

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. 62/1
1938 "Arisierung" von jüdischem Besitz

Zigeuner (Roma)

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. A VII 62
1714 Reglementierungen für "Zigeuner", Bettler, Vagabunden, Landstreicher

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. I 728
1938-1954 Registrierung von Zigeunern

Arme/Kriminelle

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. A VII 60
1800 Suche nach verdächtigen Personen (in Gaststätten, Privatquartieren...)

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. A VII 69
1819 Gefängnisregister (mit Namen und Personenbeschreibungen)

Religiöse Minderheiten

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. A X 59
1789 Reglementierungen und Registrierung vom Quäkern, Mennonisten, St. Simonisten etc.

Kommunalarchiv Herford, Stadt Herford, Sig. A X 58
1606 - 1672 Sekte der Labadisten (aus England in Herford)

Jeugen Jehovas in den 1930er Jahren:

Staatsarchive D 21a, 268
Wilhelmine Dreier, (IBV Internationale Bibelforscher Vereinigung,) Zeugen Jehovas

Kommunalarchiv Herford, Kreis Herford, Sig.
Wiedergutmachungsakten von verfolgten Zeugen Jehovas
 

Literatur:

Juden

Heckmanns/Brade, Juden in Herford, Bielefeld 1992

Lutz Brade, Lebensverläufe Herforder Juden, in: Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford 1999, Bielefeld 1998

Christoph Laue: Eine Judentaufe in Herford (1555), in: Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford, Bd. 1993, Bielefeld 1992

Zigeuner

Christoph Laue, Zigeuner in Herford, in HF Nr. 10 vom 13.09.1994

Zeugen Jehovas in den 1930er Jahren

Jochen Schlüer, , in: Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford, Bd. 1998, Bielefeld 1997
 

(CL, 28.03.2000)